"Fragen an Linda Kowsky" 
Neue Bühne Senftenberg im Gespräch

 

Ihre erste Arbeit an der neuen Bühne Senftenberg war das Kostüm- und  Bühnenbild für Mario Holetzecks Inszenierung von „Kabale und Liebe.“ Zuletzt entwarf sie, in erneuter Zusammenarbeit mit Regisseur Mario Holetzeck, Bühne und Kostüm für Iphigenie auf Tauris. Darüber haben wir mit ihr gesprochen.

Auf welchem Weg findest Du deinen Zugang zum Stück um die Kostüme und/oder ein Bühnenbild dafür zu entwerfen? Und wie war das bei Iphigenie auf Tauris?

Den Weg kann man sich so vorstellen:  lang, trocken und steinig (lacht).

Es ist so, als würde ich mit einem Koffer durch die Wüste laufen und am Wegesrand „Dinge finden“. Auf den ersten staubigen Kilometern liegt der ursprüngliche Text und auch die Fassung, die der Regisseur vorschlägt. In meinem Koffer sammle ich Informationen über den Autor/die Autorin, die Besonderheiten der Zeit und die Umstände, in denen das Stück geschrieben wurde. Weiterhin Informationen über Inszenierungen der Kollegen- man will ja nichts aus Versehen wiederholen- , über das Theater, in dem ich arbeiten werde, über die Stadt, über die Bühneneigenheiten, über die vergangene Spielzeit. All das packe ich in meinen Koffer. 

Und während ich auf meinem Weg so laufe, sehe ich da hinten Mario, ebenfalls mit einem großen Koffer - allerdings auf einem breiten, gepflasterten Highway, in einer goldenen Sänfte getragen von vier Riesenameisen . Und ab da rufen wir uns ständig Ideen und Beleidigungen zu. (lacht)

Und dann ist plötzlich dieses Ding an meiner Seite, das mich bei der Hand nimmt und mir zuflüstert: “Ich bin die Idee, die du selbst gerne als nächstes auf einer Bühne sehen möchtest, und die jetzt genau in dieses Theater passt, du wirst sehen!“  Klar, dass ich das Ding in den Koffer packe. Ziemlich oft hilft mir Mario dann beim Tragen. 

Und an einer einsamen Postkutschenhaltestelle blendet die sengende Sonne und ich laufe gegen das Haltestellenschild. Der Koffer fliegt in hohem Bogen durch die Luft, öffnet sich und übergibt dem Wind sein Geheimnis: „ Ich weiiiiß, welche Geschichte ihr erzählen wollt, es ist…wisperwisper…“

Und so beginnt mein Kreationsprozess. Ich fühle mich in die Geschichte hinein und nähere mich den Figuren und ihren Räumen. Und trinke einen Schluck Wasser.

Dabei kristallisieren sich erste Ideen für Bühne und Kostüme heraus, die ich grob per Bleistift festhalte. Später halte ich die Ideen schon sehr viel genauer in 3D-  und Photoshop-Visualisierungen fest. So wissen alle Beteiligten was gemeint ist. 

Der Zugang zu Iphigenie auf Tauris war nicht ganz so leicht. Goethes Text empfinde ich als schwer zugänglich. Holetzeck hat den Text sinnvoll gekürzt und seinen Inszenierungsvorstellungen angepasst- ohne die Schönheit der klassischen Sprache oder den Inhalt zu verzerren, wie ich finde. Der Text bekommt aber auch Unterstützung durch die intensiven Choreografien von Gundula Peuthert und die Videokunst von Anke Tornow. Flüche aus der griechischen Mythologie sind nicht einfach zu erzählen, da ist ein großes, eingespieltes Team schon von Vorteil. 

Natürlich habe ich mich für die Hauptfigur Iphigenie interessiert. Wie lebt eine nun erwachsene Frau, die als kleines Mädchen vom eigenen Vater, einem siegreichen Feldherren, als Opfergabe quasi verraten und verschenkt wird, damit die Kriegsflotte endlich los segeln kann? Um dann auf dem Opferstein den letzten Schlag von Männerhand erwartend, vom Wagen der Göttin Diana (auch Artemis genannt) entführt und über den Himmel nach Tauris gebracht zu werden. Hier, fern der Heimat, hat man nun den Job als einsame Dienerin der Göttin in einem marmornen Tempel. Nach heutigem Standard könnte man sagen: sie ist traumatisiert. Wie sieht ihre Umgebung aus? Was hat sie die langen Jahre getan, um sich sicher und stabil zu fühlen? Welche Wege läuft sie, wie bewegt sie sich, welche Kleider würde sie wählen, wie würde sie selbst ihre Umgebung gestalten? Bleibt sie sich treu? Bleibt sie klar und stark? Oder läßt sich sich von dem Dunkel des Familienfluchs anstecken?

Tja, das verrate ich natürlich nicht. 

Welche Aufgaben erfüllen deiner Meinung nach Kostüm- und Bühnenbild in einer Inszenierung? 

Kostüm und Bühnenbild sind Teile einer gemeinsam geschaffenen Interpretation. Im besten Fall unterstützen sie dabei, die Story so zu erzählen, wie geplant. Das Bühnenbild darf der Inszenierung eine Art Spielplatz sein, es sollte Möglichkeiten für visuelle Erlebnisse bieten. Die Kostüme sind auch wieder eigene Räume, einzeln und als Gesamtheit. Sie geben den Figuren, den Bildern und der Geschichte eine eigene Dynamik, können den Charakter komplett verändern. 

Ich freue mich, wenn die Zuschauer eine gute, ganz spezielle, analoge Zeit im Theater erleben und dabei unsere Intentionen und Feinheiten in der Abstimmung von Inszenierung und Bühne und Kostüm entdecken können. 

Dein Partner in Crime während einer Inszenierung ist immer der Regisseur. Welche Dynamik hat die Regisseur-Ausstatter-Beziehung in der Regel? Und wie ist es bei Mario Holetzeck und dir? 

Ich kann keine Aussage dazu machen, welche Dynamik die Regisseur-Ausstatter-Beziehung in der Regel hat. Aber ich denke, man kann merken, dass Holetzeck und ich künstlerisch und als Arbeitsteam im flow sind. Unterm Strich: diese heiligen Momente, daran haben wir Spaß. 

Ich mag es beispielsweise Ideen wie Bälle mit Regisseuren hin und her zu spielen. Mit Mario geht das total leicht, …obwohl, wenn ich recht überlege…eigentlich fängt er die Bälle selten oder wenn er mal einen fängt, isst er ihn gleich auf (lacht).  Ne, Spaß, der Holetzeck ist mit seiner über 30-Jährigen Bühnenerfahrung zugegebenermaßen ein Bollwerk, aber zugleich ein sehr lieber Mensch und einer der am best organisierten Regisseure, die ich kenne. Ein Energiepaket ohne Gleichen. 

Theorie vs. Praxis. Welche deiner Bühnenbild- oder Kostümidee(n) für die hiesige Inszenierung von Iphigenie auf Tauris war besonders knifflig in der Umsetzung?

Durch die gute Technikmannschaft und die Profis in den Werkstätten sind wir um besonders knifflige Umsetzungsprobleme herumgekommen. Aber ich denke, wir alle waren gespannt darauf, ob die rote Wand sich in dieser Art der „Raumchoreografie “bewegen lässt. 

Unser Schauspiel-Team musste sich dann natürlich auch an die finalen Kostüme gewöhnen, die üppiger und schwerer ausfielen, als erwartet. Damit wird gekämpft, aber auch geklettert oder ein Instrument gespielt. Trotzdem sind meine Krieger eher Vikings als griechische Athleten. Iphigenie hat zudem eine steife, gummiartige Priesterinnenrobe und einen Schleier auf einem ziemlich hohen Metallträger auf ihrem Kopf zu bewältigen. Das ist schon eine zusätzliche Herausforderung. 

Letztendlich ist es natürlich immer spannend, ob wir mit dem Ineinandergreifen der einzelnen künstlerischen Teile - Inszenierung, Bühne, Kostüm, Schauspiel, Tanz und Video die Geschichte erzählt kriegen. Aber bisher hatten wir Glück. 

 

 

In English , please...

 

I am 

- designer for communication (diploma HFBK Hamburg)

- stage- and productiondesigner

- graphic-designer 

- illustrator

 

 

I am currently working at the Magdeburg Puppet Theater as head of equipment (Ausstattungsleiterin)

And before i did that: 
I worked on the stage and costume design of  "Iphigenie on Tauris" by Goethe and "cabal and love" by Schiller, after an adaption by Mario Holetzeck at Neue Bühnen Senftenberg. 

And before i did that:   
I worked on the the stage and costume design of "Orestie" by Ayschylos, after an adaptation by Stein and Holetzek at the German-Sorbian Theater Bautzen.

And before i did that:
I worked as a stage designer on the semi-opera "King Arthur" of Henry Purcell at the Anhaltinisches Theater in Dessau

And before i did that: 
I worked as a production designer on a psycho thriller ("3Lives") and on a commercial for more humanity in public office. I appreciated work on film and stages very much.

 

In recent years I have gained a lot of experience in the creation and organization of spatial projects. I have worked both as a communication officer in the ministry of Economic Affairs, and as a spatial strategist for the Egyptian- and the Bode-Museum in Berlin. And I worked as an illustrator, graphic conceptioner and teacher for medial space in parallel. In my view of work, these creative areas are interlinked.


For example i did that:

  • spacial illustrations/graphic design and consulting for Euro RSCG, BBDO, Egyptian Embassy, Ministry of economy, German Marshal Fund of the United States, RTL, TRIAD. 

And before i did that: 

  •  conception/consulting/ project coordination/ strategic guidelines for multi-media exhibitions for german museums and german car-companies like Daimler and VW. 
  •  lecturer masterclass communication and medial spaces /Technical Art University, Berlin (BTK-Berlin)
  • invention of the www.kinderpatentamt.de, cooperation with „German Guggenheim“ Berlin

And before i did that: 

  • secretary for Communications / Design Manager / for the

Federal Ministry of Economics and Technology  (BMWI) 

Federal Ministry of Economics and Employment (BMWA)

And before i did that: 

  • creative director / advertising for Mercedes Benz and Citroen

And before i did that: 

  •  set and costume designer at different theaters and for different musicvideos

And before i did that: 

  • study of visual communication and setdesign, School of Fine Arts in Hamburg

Iphigenie auf Tauris/Goethe

Fotos: Steffen Rasche

 IPHIGENIE AUF TAURIS

 VON JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Regie: Mario Holetzeck

Bühnen- und Kostümbild: LindaKowsky

Choreografie: Gundula Peuthert

Video: Anke Tornow

"Ich erarbeite gern Raumsituationen, die die Geschichte unterstützen.
Dabei kombiniere ich Szenografie und Kommunikationsdesign."  
Linda Kowsky  

 

 

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